"Als wäre ich nie weg gewesen"

Fin Bartels im Interview
Anders, aber immer noch gleich: Fin Bartels im Trainingslager auf Mallorca (Foto: nordphoto).
Interview
Montag, 06.01.2020 / 13:09 Uhr

Das Interview führte Yannik Cischinsky

Diese Zeile durften Fans des SV Werder in den letzten zwölf Monaten häufig lesen: Fin Bartels ist zurück im Training. Doch häufig folgte auf die positive Nachricht zeitnah Ernüchterung. Der Offensivspieler musste zurück in die Reha, auf eine auskurierte Verletzung folgte die nächste und das endgültige Comeback blieb aus. Wenngleich es auch mal für einen Kurzeinsatz reichte. Seit Dezember ist Bartels nun aber zurück. Im Trainingslager auf Mallorca kann der mittlerweile 32-Jährige endlich voll mitwirken.

WERDER.DE mit Fin Bartels über seine Lehren aus der langen Leidenszeit, die Rückkehr in die Mannschaft und den Abstiegskampf gesprochen. 

WERDER.DE: Fin, starten wir mit einer simplen Frage, die man sich monatelang kaum getraut hat, dir zu stellen: Wie geht’s dir?

Fin Bartels: "Ich fühle mich gut, die ersten Einheiten waren gut. Der Körper leidet natürlich, aber das gehört dazu in so einem Trainingslager. Ich hoffe, das bleibt alles so."

WERDER.DE: Was macht denn die Verletzung und wie ist dein Trainingspensum hier auf Mallorca?

Fin Bartels: "Im Prinzip absolviere ich jede Trainingseinheit, wobei man bei zwei Einheiten am Tag die eine oder andere davon individuell gestaltet. Das ist allerdings ja nicht nur bei mir so. Das gehört dazu, da es wichtig ist, die Belastung richtig zu dosieren. Prinzipiell kann ich jede intensive Einheit mitmachen und dem Knie, das zuletzt ja Probleme gemacht hat, geht es gut."

WERDER.DE: Wir haben schon einige Interviews geführt, bei denen du frisch aus der Reha kamst und wieder nah dran warst an der Mannschaft. Was ist dieses Mal anders?

Fin Bartels: "Gute Frage. Ich bin einfach vom Gefühl her deutlich weiter als die letzten Male. Ich hatte jetzt die ersten Einsätze, die mir einfach gezeigt haben, dass es funktioniert und nicht alles verloren gegangen ist an Schnelligkeit et cetera. Ich bereite mich jetzt mit einer kompletten Vorbereitung auf die Rückrunde vor, auch wenn die kurz ist, aber dann spricht nichts dagegen, dass ich wieder Vollgas geben kann."

"Immer noch das Werder Bremen, das ich kenne"

Ein lachender Fin Bartels freut sich, wieder voll dabei zu sein (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Du wirst von Frank Baumann und Florian Kohfeldt momentan ja gerne als 'Neuzugang' bezeichnet. Die Mannschaft hat sich in deiner Abstinenz durchaus schon verändert. Fühlst du dich wie ein Neuzugang?

Fin Bartels: "Es ist immer noch das Werder Bremen, das ich kenne. Natürlich sind da drei, vier, fünf Neue, mit denen ich noch nicht so viel zusammengekickt habe. Keine Frage, da müssen sich manche Dinge erstmal wieder finden. Aber ich fühle mich gerade so, als wäre ich nie wirklich weg gewesen. Das ist ein schönes Gefühl und das ist der Unterschied zu vorher. Ich musste jedes Mal vorsichtig reinfinden und war froh, überhaupt dabei zu sein. Jetzt will ich Gas geben und nicht nur dabei sein. Ich will spielen."

WERDER.DE: Gehen wir weg vom Sportlichen: Was hast du gelernt in den zwei Jahren, in denen du dich nicht wirklich mit Fußball beschäftigen konntest?

Fin Bartels: "Vor allen Dingen Geduld. Und viel zu arbeiten, ungemütliche Dinge zu tun wie Kraftraum, 500 Behandlungen, viele Termine am Stadion, also auch viel weniger Zeit, die man dann zuhause verbringen konnte. Die Dinge, die einem ja eigentlich nicht so viel Spaß machen, aber man will auf den Platz und kicken, und das hat natürlich alles gefehlt. Von daher habe ich vor allem auch gelernt, mit Rückschlägen und Frustration umzugehen und das wieder in positive Energie umzumünzen. Und da hat mir auch gerade die Familie zuhause sehr viel Rückhalt gegeben, weil man da komplett abschalten kann. Und auch hier wurde ich immer positiv vom Fans, von der Mannschaft, vom Umfeld  gepusht.

WERDER.DE: Man würde vermuten, du hättest viel mehr Freizeit gehabt...

Fin Bartels: "Das ist der Irrglaube, das dachte sogar ich vorher immer. Aber ich bin mir sicher, ich habe in den Rehaphasen deutlich mehr Zeit auf dem Gelände, im Kraftraum und bei den Physios verbracht, als ein fitter Spieler."

WERDER.DE: Worauf kannst du gerne verzichten aus dieser aufreibenden Zeit? Ist es der Kraftraum?

Fin Bartels: "Der wird jetzt leider immer Teil meiner Vorbereitung und meines Trainings bleiben, das ist gar keine Frage. Es geht darum, meine Muskulatur in so einem Zustand zu halten, dass da möglichst nie wieder etwas passiert. Dafür braucht es indivdiuelles Training im Kraftraum. Diese Einheiten sind eminent wichtig, auch wenn man sie nicht gerne macht."

Wir versuchen, diesen ganzen Ballast abzuwerfen.
Fin Bartels

WERDER.DE: Hast du, in der Freizeit, die du hattest, ein neues Hobby oder eine neue Leidenschaft für dich entdeckt?

Fin Bartels: "Ich habe wie gesagt sehr viel Zeit in der Reha verbracht und den Rest der Zeit ganz der Familie gewidmet. Die Freizeit war rar gesät. Allzu viel Neues habe ich mir da nicht angeeignet."

WERDER.DE: Zum Abschluss noch einmal der Blick auf die Mannschaft. Wie hast du die Hinrunde - als über weite Strecken leider doch Unbeteiligter - verfolgt?

Fin Bartels: "Ich finde, dass wir über weite Strecken vernünftig Fußball gespielt haben. Wir hatten Spiele, die waren einfach eng; die konnten wir nicht für uns entscheiden, weil wir kurz vor Schluss noch ein Tor kassiert haben. Dann kam irgendwann Verunsicherung dazu. Das Spiel gegen Paderborn, das wir unglücklich verlieren, aber auch nicht gut spielen, tut sein Übriges. Danach hast du gespürt, wie jeder einen Rucksack mit sich rumgeschleppt hat, verunsichert war und nicht mehr unbedingt jeden Ball haben wollte wie vorher. Wir sind in den Strudel geraten, aus dem es irre schwer ist, herauszukommen." 

WERDER.DE: Mit welchem Gefühl gehst du in die Rückrunde?

Fin Bartels: "Die Pause und die Vorbereitung auf das erste Rückrundenspiel sind so enorm wichtig. Wir versuchen, diesen ganzen Ballast abzuwerfen. Das wird aber mit Sicherheit nicht alles einfach so abzuschütteln sein. Ich glaube trotzdem, dass wir durch die Testspiele und Trainingseinheiten wieder mehr Sicherheit in unseren Fußball bekommen können und uns mental optimistischer und freier auf die Aufgaben einzustellen. Ich bin zuversichtlich, dass wir als Mannschaft, die den Ernst der Lage erkannt hat, den Turnaround schaffen."

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