Collin Colbow rockt die Vellmarer Schachtage

Toller sechster Platz nach Sieg in der letzten Runde
Kurz vor Ende der Parte mit reichlich Zuschauern. Foto: A. Colbow
Schach
Sonntag, 07.07.2019 / 21:52 Uhr

Lars Milde / Udo Hasenberg

Von Donnerstag (4.7.) bis Sonntag (7.7.) fanden die Vellmarer Schachtage statt. Der Werderaner Collin Colbow spielte ein tolles Turnier und wurde mit 5,5 Punkten aus sieben Partien Sechster mit nur einem halben Punkt Rückstand auf die Siegerin. Ihm gebührte die Ehre die Turniersiegerin Lara Schulze als Einziger besiegt zu haben!

In der nunmehr schon elften Auflage des „Rainer-Weyers-Gedenkturnier“ bot der Veranstalter wie gewohnt hervorragende Spielbedingungen. Die Spitzenbretter spielten auf der Bühne und genossen den Komfort besonders bequemer Sessel. Darüber hinaus wurden die ersten 60 Bretter live im Internet auf www.chess24.com übertragen. Die Spitzenbegegnungen wurden auf einer Leinwand im Turniersaal und einem Großbildschirm im Foyer übertragen. Interessant für Kaffeetrinker war die Möglichkeit eine exklusive Turniertasse zu erwerben, welche mit einer Kaffeeflatrate einherging.

Schachtalent Collin Colbow, einziger Werderaner im 94-köpfigen Teilnehmerfeld, mit einer stolzen ELO-Zahl von 2167 immerhin 14. der Setzliste, gewann in der ersten Runde eine mutige Angriffspartie. In der Eröffnung opferte Collin mutig einen Bauern für die Bloßlegung des gegnerischen Königs. Als sein Gegenüber im 17. Zug seine Entwicklung mit einem einfachen Läuferzug abschließen wollte, entpuppte sich eben dieser Zug als böser Schnitzer, und zwei Züge später musste sein Gegner Ralf Ullmann sich geschlagen geben. In klarer Verluststellung gab er auf, ohne sich den einfachen Rest zeigen zu lassen. Der Elo-Unterscheid von knapp 300 Punkten war dann doch zu groß.

Runde 2: In der zweiten Runde traf Collin auf Dr. Ulf-Theo Fuhrmeister. Mit einer Elo-Zahl von 2008 ein deutlich stärkerer Gegner als gestern. Nachdem Collin die erste Attacke seines Gegners in der Eröffnung nicht nur entspannt abgewehrt hatte, überspielte er seinen Gegner vom SK Verden im Mittelspiel mit feinem Spiel. Ein unglücklicher Leichtfigurentausch im 29. Zug machte die Angelegenheit dann unnötig spannend. In beiderseitiger Zeitnot schaffte es Collin aber seinem Gegner so viele Probleme aufzubürden, dass dieser mit nur wenigen Sekunden Restbedenkzeit unnötig die Qualität opferte, anstatt sich zäh zu verteidigen. Eine mutige Königswanderung beendete schließlich die Partie. Alles in allem ein verdienter und wirklich beeindruckender Sieg. Mit einer momentanen blütenweißen Weste, geht es am Nachmittag in die Spitzenbegegnung.

Runde 3: In einer wirklich fantastischen Partie konnte Collin seine Siegesserie weiter ausbauen und führt das Feld nunmehr mit drei Punkten aus drei Partien an. Mit den weißen Steinen spielend gewann Collin bereits früh einen Bauern, zentralisierte alle seine Figuren, doch trotz erbitterter Gegenwehr seines Gegners Ingram Braun (Elo 2050) aus Göttingen gewann er die Partie mit einem spektakulären Endspiel mit finalem Turmopfer und Bauerndurchmarsch. Toll, wirklich! Weiter so, Collin!

Wo wird der Turm nun hinziehen? Es folgt das Opfer auf e7
Foto: A. Colbow

Runde 4: Wenn man sich die vierte Partie von Collin ansieht, muss man am besten erst einmal eine Beruhigungstablette einwerfen! Gegen WFM (=Frauen FIDE Meisterin) Lara Schulze, ausgestattet mit stolzen 2253 ELO-Punkten, gewann Collin auch seine vierte Partie in Folge, und so langsam gehen mir die Superlative aus. Die Partie zu beschreiben ist schwer: Es ging hin und her, beide Spieler ließen große Möglichkeiten aus, was leicht zu sagen ist, wenn man zu Hause sitzt und eine Schachengine die Züge prüfen lässt. Am Brett hatte Collin in der entscheidenden Phase mehr Bedenkzeit, seine Gegnerin verlor den Faden, und dann machte Collin den Sack mit beindruckenden klaren Zügen zu und setzte seine Gegnerin im 41 Zug sogar matt.

Auf geht's in Runde 4...
Foto: A. Colbow

Runde 5: Nach vier Siegen in Folge musste Collin heute Nachmittag seine erste Niederlage einstecken.
Gegen FM Peter Keller (ELO 2279) aus Frankfurt wurde er aus einer spanischen Eröffnung heraus nach und nach überspielt und musste im 44. Zug die Überlegenheit seines Gegners für heute und in dieser Partie anerkennen.

Diesmal nicht die besseren Züge im Gepäck, Collin vor seiner fünften Partie.
Foto: A.Colbow

Runde 6: Mit einem schnellen Remis nach nur 19 Zügen endete die sechste und vorletzte Partie von Collin.
Gegen Markus Hahn (ELO 2290), immerhin Nr. 2 der Setzliste aus Kassel, gab sich unser Werderaner mit den schwarzen Steinen spielend in aussichtsreicher Stellung mit einem Remis zufrieden.
Nach gut gespielter Königsindischer Verteidigung ein überraschender wohl turniertaktischer Entschluss, um Kräfte für den Showdown am Nachmittag zu sparen.

Die obligatorische Begrüssung vor Runde 6.
Foto: A. Colbow

Runde 7: Mit einer kämpferischen Glanzleistung siegte Collin in der letzten Runde gegen Uwe Kersten  (ELO 2248) und sicherte sich den hervorragenden sechsten Platz im Gesamtklassement. Es war eine zähe Partie, die beide Spieler unbedingt gewinnen wollten. Uwe Kersten wurde dabei Opfer seiner Ungeduld, opferte eine Leichtfigur gegen mehrere Bauern von Collin, aber ein Durchbruch wollte nicht gelingen, so dass die zähe Verteidigung dank Mehrfigur letztendlich siegte! Tolle Partie! Glückwunsch!

Siegerehrung!
Foto: A. Colbow